Heul nicht rum! Du weißt doch gar nicht, was es heißt, RICHTIG allein erziehend zu sein!

Alternative Titel: „Mir geht es aber viel schlechter.“ oder „Seid doch einfach froh, dass es euch so gut geht.“

Ich saß jetzt echt lange an der Überschrift und mir fielen so viele Titel ein – der ausgewählte, passt aber ganz gut zum heutigen Thema hier auf meinem Blog. Übrigens mein Blog. Wo es um mein Leben, meine Themen, und meine Meinung geht. Wie ich zum Thema komme? Ich habe den aktuellen Instagram-Post meiner Schwester gelesen und da kam etwas in mir hoch… und ich hatte Recht: auch hier Kommentare von… Alleinerziehenden.

Alleinerziehende, das sind diejenigen Eltern, die alles mit ihren Kindern alleine stämmen müssen. Die keinen Partner an ihrer Seite haben, der für sie und die Kinder da ist. Vor denen ich den größten Respekt habe – eben weil ich unter der Woche auch alleine bin und es die meiste Zeit nicht schön finde. Ich kann so mitfühlen, wie es euch geht und wie doof das manchmal – oft (!) – ist. Man hat sich das ja nicht ausgesucht. Von Geldnöten will ich jetzt nicht auch noch anfangen. Liebe allein stehenden Mamas und Papas ihr macht das super. ♥ Und das meine ich ganz ernst.

Nun gibt es auf meinem Blog oft schöne Worte über mein/unser Leben – geschmückt mit zuckersüßen Bildern meiner/unserer Kinder. Aber: ganz klar wird hier auch gejammert, gejault, geflucht und sich LUFT gemacht. Da müssen Sachen raus. Das Leben ist nirgends immer schön und jeder hat kleine oder größere Sorgen. Und natürlich freue ich mich immer über eure Worte unter meinen Posts, aber manche sind doch echt so festgefahren und denken nur an sich, die können einem echt alles verderben. Ich warte bei Posts wie bei ‚Alleinerziehend mit Mann‚ echt nur darauf, dass dann ein Klugscheißer kommt mit: „Du bist doch KEINE Alleinziehende!“

Sorgenkind Emmi hält mich im Moment nachts auf Trapp… sieht man nicht oder?

… und dann diese Moralpredig, wie viel schlechter es GANZ OHNE MANN ist und dass man ja sieht, was für ein großartiger Papa der Papamulle ist und was ein Glück ich habe und und und. Man wolle sich ja nicht einmischen, aber ich habe echt gar kein Grund zu jaulen, denn einem selbst ginge es viel schlechter, nämlich so: „…….!!!“  🙄  🙄  🙄

Muss das sein? Kann man nicht akzeptieren, das jedem andere Sorgen quälen. Irgendwie baut sowas in diesem Moment gar nicht auf, sondern plötzlich fühlt man sich dämlich. Was schreibt man hier überhaupt über seine Sorgen – es sind ja scheinbar keine. Wie peinlich, schnell Post löschen, anderen geht es so viel schlechter. Dort ist jemand gerade todkrank geworden, da ist jemand gestorben und dort hat jemand ein Kind verloren. Das sind die wahren Sorgen. Alle anderen Probleme sind keine, die schluckt man lieber runter.

Und das man sich sehnlichst ein drittes Kind wünscht und es nach einem Jahr immer noch nicht klappt ist auch belanglos. „Mensch, du hast doch schon zwei gesunde Kinder, was willst du denn noch mehr?“ „Sei froh, dass du überhaupt Kinder bekommen kannst – ich bin nämlich unfruchtbar.“

***

Ich möchte mit diesem Post auch nicht irgendwie mitteilen, dass ich auf Mitleid aus bin, aber solche blöden Kommentare finde ich echt dämlich. Die Woche mit den Kindern ist manchmal anstrengend und ich bin froh, dass nebenan meine Schwester mit ihren Knirpsen wohnt. Wenn der Papa am Wochenende nach Hause kommt, ist er im Moment am Treppe renovieren oder Holz machen im Wald und hat somit auch kaum Zeit für uns. Wir hatten jetzt zwei Wochen Urlaub zusammen, so dass ich gerade etwas milde bin, aber was ich noch sagen will: selbst am Wochenende bleibt halt nicht viel Zeit, weil Sachen anstehen, die die Woche über liegen geblieben sind und dann ist auch nicht viel Zeit füreinander. Mir macht dieser Job Sorge, mir macht dieses allein erziehend mit Mann Sorge, mir macht sein Job Sorge und die damit verbundene Wochenendbeziehung, denn so habe ich mir das nicht vorgestellt und so mag ich auf Dauer auch nicht weitermachen. Ich habe die Hoffnung, dass es dieses Jahr besser wird mit der Arbeit. Ich bin doch kein Mensch für dieses Alleinsein. Ich brauche diesen Mann an meiner Seite. Ich mag ein „normales“ Familienleben. Ja, das macht mir Kummer. Also bitte nicht wieder so einen geistigen Dünnschiss schreiben, der mir gar nichts bringt. Danke. ♥

Versteht ihr was ich meine? 

In diesem Sinne: Die Menschen sind nicht böse – die Menschen sind nur dumm.

Nichts desto trotz freue ich mich auf eure Worte!!! Wirklich!!!

Autor: Mamamulle

Mamamulle heißt eigentlich Margareta Walter, ist 27 Jahre alt, frisch verheiratet und Mama von zwei zuckersüßen, oft aber furchtbar frechen Mädchen (*2012 & *2015). Wer lieb' ist darf mich auch "Maggy" nennen. Seit der Geburt unserer ersten Tochter gehört der Blog hier zum Familienalltag dazu und hält mich genauso auf Trapp wie die zwei Minimenschen Mia Lotta und Emmi.

Ein Gedanke zu „Heul nicht rum! Du weißt doch gar nicht, was es heißt, RICHTIG allein erziehend zu sein!“

  1. Ein wirklich wichtiger und ganz toller Artikel. Leider verstehen viele nicht, dass wir eben auch Ängste und Sorgen und eben unsere Probleme haben.
    Habe vor kurzer Zeit ebenfalls über Teilzeit-Alleinerziehende geschrieben.
    Ich habe vollsten Respekt vor Alleinerziehenden. Aber auch ich hätte gerne ein bisschen Respekt.

    Liebe Grüße Melanie

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